... der Hornstein von Rhynie ... |
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Von allen fossilführenden Siliziten weltweit hat der Hornstein von Rhynie in Schottland, bekannt als "Rhynie Chert" (Unter-Devon, 400 Mill. J.), den bedeutendsten Beitrag zur Paläobotanik geliefert. Nach seiner Entdeckung 1912 löste die wunderbare Erhaltung pflanzlicher Feinstrukturen Erstaunen aus. Die bald erfolgte Auswertung durch KIDSTON und LANG erschien so gründlich, daß in den folgenden Jahrzehnten andere Forscher dadurch anscheinend eher entmutigt als angespornt wurden. In jedes Lehrbuch der Paläobotanik wurden die Landpflanzen Rhynia (2 Arten), Asteroxylon und Horneophyton aufgenommen. Blaualgen, Grünalgen, und die besonders zahlreich anzutreffenden Hyphen und Dauerformen von Pilzen lieferten zusätzliche Informationen über die verkieselten Biotope. Der komplizierte Bau von Milben, Trigonotarbiden und Kleinkrebsen mit ihren zahlreichen Körperteilen konnte rekonstruiert werden. Erst in den letzten Jahrzehnten des Jahrhunderts wurde zunehmend klar, daß man den wissenschaftlichen Wert des Rhynie Chert noch unterschätzt hatte. Weitere Pflanzen wurden entdeckt (1964 Nothia, 1991 Trichopherophyton, 1994 Ventarura), und intensive Auswertungen brachten neue Erkenntnisse (deshalb Rhynia major 1986 in Aglaophyton umbenannt). Es wurde klar, daß die früher als "Rhyniophyten" zusammengefaßten Pflanzen sehr unterschiedlichen Entwicklungslinien angehören, die vermutlich den entscheidenden Verzweigungspunkten im Stammbaum der Pflanzen nahe stehen und deshalb für die noch umstrittene Konstruktion dieses Stammbaums von entscheidender Bedeutung sein können. Etwas sensationell Neues war die Entdeckung großer Gametophyten einiger Rhynie-Pflanzen durch REMY und Mitarbeiter (Uni Münster, ab 1980). Das hat die alte Diskussion über die rätselhafte Stellung der Moose im Stammbaum neu angefacht, die bis jetzt noch nicht geklärt ist. (Der Gametophyt bildet bekanntlich den größten Teil der Moospflanze, ist aber bei allen "höheren" Pflanzen rudimentär.) Geologische Untersuchungen und chemische Analysen haben zweifelsfrei belegt, daß die Entstehung des Rhynie-Hornsteins mit heißen Quellen zusammenhängt (Uni Aberdeen). Der gegenwärtige Stand der Erforschung des Rhynie Chert wird von N. TREWIN (Aberdeen) in folgende Worte gefaßt: "I feel we have only scratched the surface of the Rhynie story, and this premier Scottish locality will continue to yield exciting stories in a variety of disciplines for decades to come." ("Ich ahne, daß wir von der Rhynie-Sache erst die Oberfläche angekratzt haben, und daß diese einzigartige schottische Fundstelle noch jahrzehntelang aufregende Dinge auf verschiedenen Forschungsgebieten liefern wird.") Umfangreiche Informationen mit zahlreichen Bildern und Literaturangaben findet man auf den Seiten der Universität Münster sowie der Universität Aberdeen (beides in englischer Sprache). Text: H.-J.WEISS/Rabenau, Aufnahmen: H.SAHM/Dresden. |
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