Im Herbst 2002 veröffentlichte U.DERNBACH
sein neues Buch "Geheimnisse versteinerter Pflanzen". Neben
einigen weiteren interessanten Beiträgen diverser Autoren widmet
sich der Franzose J.GALTIER in einem kurzen Abschnitt
einer baumförmigen Pflanze aus dem Unterkarbon Schottlands. Darin
werden interessante Bilder der Holzstruktur des Riesenbaums gezeigt.
H.-J.WEISS machte darauf aufmerksam, dass in
Freital/Burgk silifizierte Hölzer zu finden waren, die eine ähnliche
Struktur (...nämlich "die dicksten Markstrahlen des Döhlener
Beckens"...) zeigen. Die hier abgebildeten Stücke haben eine
gewisse Ähnlichkeit mit dem bei U.DERNBACH
(S. 37, Bild 4) gezeigten Pitus primaeva.
Dieselbe o.g. Struktur fand sich in einem kleinen Kieselholzsplitter
im Baugrubenaushub einer Baustelle in Chemnitz-Hilbersdorf (Zeissstrasse
14). Wie sich bald herausstellte, gehörte der winzige Splitter
sehr wahrscheinlich zu einem recht mächtigen Stamm, der von Sammlern
und dem Museum für Naturkunde Chemnitz im Jahre 2002 geborgen werden
konnte. Eine kleine Übersicht und die Zellstruktur dieses Stammes
wird im Folgenden gezeigt.
Im Hornstein von Hainichen liess sich eine Struktur finden,
die Ähnlichkeit zu Pitus withamii in U.DERNBACH's
Buch (S. 37, Bild 5) zeigt.
A.V.GUTBIER beschreibt in seinem
Werk "Die Versteinerungen des Rothliegenden in Sachsen" (1849)
Stämme mit Pitus - Holz! (S. 26)
"Pissadendron, Endlinger. (Pitus Witham Inl. str.
p. 71), Konische, ästige Stämme, aus starkem Marke, aus Holz ohne Jahresringe
und aus Rinde bestehend. Markstrahlen zusammengesetzt, Faserporen dreizeilig.
Herr Custos CORDA bezeichnete bei Durchsicht
meiner Sammlung einige Stammdurchschnitte, welche auch nach oberflächlicher
Betrachtung obige Kennzeichen führen, mit Pitus, WITHAM
wendete den Namen bekanntlich auf versteinertes Holz aus dem englischen
Kohlengebirge an. - Die hier bezeichneten Stammdurchschnitte sind aus
dem Thonstein von Chemnitz"
W.GOTHAN erwähnt in seinem
"Lehrbuch der Paläobotanik" einen Pitys, den er als "Gymnospermen
(Cordaiten) -ähnlich" zu den Pteridospermen unsicherer Zugehörigkeit
stellt. Abbildungen gibt es leider keine, unten stehende Zitate wurden
der Ausgabe von 1973 entnommen. Er eiert da ganz schön rum wie
man so schön sagt, was sicher daran liegt, dass man nur das Holz
kennt.
"...Pitys unterscheidet sich von den ähnlichen
Cordaitenstämmen durch sehr breite Markstrahlen, das nicht gefächerte
Mark, und hat ebenfalls zentripetales Xylem. Die Gattung steht aber
sonst den Cordaitenstämmen näher als Calamopitys. Auch Pitys
ist meist altkarbonisch..."
"... An Sie (gemeint sind hier Cordaiten, Anm.) schliessen
sich noch andere Gymnospermenformen an, die mehr dem Bau des Holzes
als dem Äusseren nach bekannt sind und darin Ähnlichkeiten
mit den Pteridospermen zeigen (Poroxylon, Pitys u.a.). ..."
Fazit:
Das ganze ist mindestens eine genauere Untersuchung wert,
da es sich hier unserer Meinung nach um ein Kieselholz handelt, welches
sich deutlich und reproduzierbar von "normalen" Hölzern
des Dadoxylon - Typs unterscheidet. Vielleicht haben wir mit Erkenntnissen
aus Hornsteinen (gerade aus Kleinnaundorf/Burgk) die Chance, der Pflanze
mit dem "Pitus-Holz" auf die Spur zu kommen...
Nachtrag:
Anlässlich eines Taphonomie-Workshops am 08./09.
November 2003 wurden auch Stücke des oben gezeigten, in der Zeissstrasse
14 gefundenen Stammes u.a. von R.RÖSSLER
und J.GALTIER durchgesehen. Dabei fand man im
recht winzigen Mark die für Calamiten typischen Carinalkanäle
und erstaunlicherweise sogar Markzellen. Mit ca. 50 cm Durchmesser stellt
dieser Stamm damit den grössten anatomisch erhaltenen Calamiten
dar! Eine wissenschaftliche Bearbeitung läuft mittlerweile. Bleibt
nur noch eine Frage: Gehören alle sächsischen Kieselholzfragmente
mit aussergewöhnlich dicken Markstrahlen zu den Calamiten oder
versteckt sich doch noch ein geheimnissvoller Pitus darunter? 8)>
Aufnahmen: H.SAHM/Dresden, Text
& Aufnahmen: R.KRETZSCHMAR/Chemnitz