Definitionen zur Matrix - Kieseltorf |
| Es ist erstaunlich, welche Vielfalt an Mooren und Sümpfen es heute weltweit gibt. Abhängig von Wasserangebot, Topographie, Untergrund, Klimazone und anderen Einflüssen lassen sich verschiedene Pflanzen- und Tiergemeinschaften in diesen Lebensräumen finden. Stark torfbildende Moore verdanken dieses hauptsächlich den hervorragend angepassten Torfmoosen (Sphagnopsiden). Diese besitzen beachtenswerte Fähigkeiten vor allem in Hinsicht auf die Aufnahme und Abgabe von Wasser. So "ertrinken" die wurzellosen Sphagnen regelrecht im Nass und streben daher als endlose Kette dem Licht entgegen. Das Moor wächst auf diese Weise vergleichbar schnell. Die abgestorbene Substanz darunter wird vom Sauerstoff abgeschnitten und überdauert so die Zeit. Damit wird dem natürlichen Stoffkreislauf eine erhebliche Menge an pflanzlicher Substanz entzogen, welche schon seit der frühen Menschheitsgeschichte als Torf genutzt wird. Im Gegensatz zu Torf ist der Begriff Kieseltorf ist eine vergleichsweise neue Erfindung. Im Frühjahr 2002 wurde er in einem Vortrag über die fossilführenden Hornsteine aus Nova Paka von H.-K.NEUWALD wohl erstmals offiziell verwendet. Kurz darauf entstand www.kieseltorf.de und prägt den Begriff seither. Wahrscheinlich ist er nicht immer zutreffend, da es sich bei manchen Siliziten z.B. auch um silifizierte Seeablagerungen handeln könnte. Kieseltorf bezeichnet die versteinerten Reste eines Lebensraumes mit Wasserüberschuss (also ein Moor oder einen Sumpf), denn Kieseltorfe zeigen eine Flora und Fauna, welche von einer üppigen Versorgung mit Wasser abhängig war. Als besonders instruktives Beispiel ist der verkieselte Sumpf von Ratka mit seiner tertiären Schilfflora zu nennen. Die Rotliegend-Hornsteine der Pfalz und Sachsens enthalten Sporenpflanzen und Muschelkrebse welche bekanntlich Wasser für ihre Fortpflanzung benötigten. Unklar ist noch, ob Besonderheiten wie periodisches Trockenfallen oder eine exponierte Lage (z.B. in der Nähe von Geysiren oder Vulkanen) die exquisite Erhaltung der Strukturen erst ermöglichten. Mittlerweile wurde durch praktische Versuche an heißen Quellen eindrucksvoll belegt, daß die Verkieselung von zarten pflanzlichen Strukturen innerhalb weniger Wochen und Monate möglich ist. Für Kieseltorfe gestalten sich solche Untersuchungen wohl schwierig und stehen noch aus. Wahrscheinlich sind die Wege zur Bildung jedoch so unterschiedlich wie unsere Silizite selbst. Begriffe wie Kieselsumpf oder Kieselmoor halte ich übrigens auch für geeignet. Als "verkieselten Waldboden" würde ich solche Hornsteine jedoch nicht bezeichnen, denn der war wohl meist zu trocken. |
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